Geschichte

Das Buch "Aids to Scouting" von Lord Baden-Powell (BP), das dieser aufgrund seiner Erfahrungen als britischer Offizier im Burenkrieg zunächst für die britische Armee geschrieben hatte, löste bei Jugendlichen großes Interesse aus. So fand 1907 ein erstes Lager auf Brownsea-Island statt. Daran nahmen 22 Jungen aus verschiedenen sozialen Schichten teil. Sie trugen einheitliche Uniformen, um die sozialen Unterschiede weniger deutlich werden zulassen. Danach überarbeitete BP sein Buch, das 1908 mit dem Titel "Scouting for Boys" erschien. Es wurde in viele Sprachen übersetzt und in der ganzen Welt verbreitet. Dies führte zu einem raschen Wachstum der internationalen Pfadfinderbewegung. Die deutsche Übersetzung wurde von Dr. Alexander Lion, Stabsarzt der bayerischen Armee, unter Mitarbeit seines Freundes Maximilian Bayer, Offizier der preußischen Armee, vorgenommen und erschien im Frühjahr 1909 mit dem Titel "Jungdeutsches Pfadfinderbuch". Lion und Bayer gelten somit als die Begründer der deutschen Pfadfinderbewegung.

1909 fand das erste große Pfadfindertreffen im Kristallpalast in London statt. BP war sehr erstaunt, als dort auch Mädchen erschienen und sich nicht mehr abwimmeln ließen. So bat er seine Schwester Agnes sich um die Pfadfinderinnenbewegung zu kümmern. Sie bekam 1912 Unterstützung von BP's Frau Olave.

1911 wurden in Berlin als erste deutsche Pfadfinderorganisationen der Deutsche Pfadfinderbund (DPB) und die Christliche Pfadfinderschaft gegründet.

1914 erfolgte der Ausbruch des 1. Weltkriegs. In den kriegführenden Ländern betrachteten es die älteren Pfadfinder und Führer damals als ihre Pflicht, für ihre Vaterländer zu kämpfen. Viele von ihnen fielen auf den Schlachtfeldern.

1916 fand trotz des Krieges die Gründung der Pfadfinderinnenbewegung statt. Nach dem Krieg übernahmen vielerorts jüngere Pfadfinder die Leitungen der Stämme und Sippen, was dazu führte, dass die Ausrichtung der Gruppen weniger militärisch wurde. Dies geschah, weil man weitere Kriege verhindern und die Pfadfinder daran erinnern wollte, dass es ihre Pflicht sei, der Gemeinschaft zu helfen und sich mit anderen Völkern friedlich zu verständigen.

1919 wurde der Gilwell Park BP übergeben und dort das Rovertraining in Gang gesetzt.

1920 erfüllte sich BP einen großen Wunsch: das 1. internationale Pfadfindertreffen, das so genannte "Jamboree", was indianisch ist und friedliches Zusammentreffen aller Stämme bedeutet. Es fand in der Londoner Olympia-Hall statt. Dorthin kamen auch die ehemals verfeindeten Völker des 1. Weltkrieges. Die 8000 Teilnehmer aus 27 Ländern ernannten BP spontan zum "Chief Scout of the World". Seit diesem Zeitpunkt finden alle vier Jahre Jamborees statt, außer in der Zeit des 2. Weltkrieges, der von 1939-45 tobte, und während der Iran-Irak Krise im Jahre 1979.

1922 hatte die Pfadfinderbewegung schon über 1 Millionen Mitglieder in 31 Ländern. Die Weltpfadfinderbewegung wird ebenfalls gegründet.

1928 Erste katholische Pfadfindergruppen gründen sich in Wuppertal, Beuthen, München, Berlin, Frankfurt/Main und Speyer.

1929 wurde Baden-Powell zum Lord of Gilwell geadelt. Der Gilwell-Park, den die Pfadfinder 1919 von einem schottischem Landmann geschenkt bekamen, ist auch heute noch eine Ausbildungsstelle für Pfadfinder. Für Pfadfinderinnen existieren zwei Ausbildungs¬stätten, eine in Foxlease und die andere in Waddow-Hall.

1929 wurde die DPSG am 7. Oktober Altenberg gegründet. Die Mitgliederzahl betrug in der Anfangszeit ca. 800 und stieg bis in die 30er Jahre auf 9000.

1930 Die DPSG formuliert ihr Pfadfindergesetz, das bis 1971 in dieser Form Gültigkeit hat.

1934 Die Nationalsozialisten verbieten das Tragen von Kluft, Banner und Abzeichen. In den folgenden Jahren nimmt der Druck auf die Mitglieder des Verbandes zu, es kommt zu schweren Auseinandersetzungen mit der Hitlerjugend. Trotzdem gibt es immer wieder Zeichen der Eigenständigkeit - wie die Romfahrt 1935.

1936 Die Freiheit der Gruppen wird stark eingeschränkt. Die Georgspfadfinder brauchen viel Mut, wenn sie sich in der Öffentlichkeit jetzt noch zu ihrem Verband bekennen, so daß die Schar derer, die offen Mitglieder der DPSG bleiben, kleiner wird.

1937 Die Landespfadfinderschaften Münster, Paderborn und Trier werden durch die Gestapo zwangsweise aufgelöst.

1938 Der katholische Jungmännerverband und die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg werden aufgelöst und verboten. Dennoch nahmen immer wieder einzelne Mitglieder Bedrohung und Verfolgung auf sich, weil sie am pfadfinderischen Leben als eigenständiger Alternative gegen die Repressionen des Nationalsozialismus festhielten. Ihnen ist es zu verdanken, dass auch in dieser Zeit ein jugendkulturelles Bekenntnis gelebt wurde. Als "Gemeinschaft Sankt Georg" wirken Pfadfinder im Untergrund weiter. Manche wagen sogar den Kontakt zu ausländischen Pfadfindern und legen auf diese Weise den Grundstein für spätere Verständigung.

1945 Neugründung vieler Pfadfindergruppen auf örtlicher Ebene.

1946 Durch den erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg einberufenen Bundesthing wird eine neue Bundesordnung beschlossen.

1947 Die DPSG ist Mitbegründerin des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).

1956 In Westernohe im Westerwald entsteht in vielen Stunden Eigenarbeit ein Zeltlagerplatz und Ferienheim für behinderte Menschen - das heutige Bundeszentrum der DPSG.

1958 fand zum ersten mal das Jamboree-on-the-Air (JOTA) statt, bei dem sich Pfadfinder aus der ganzen Welt über Funk unterhalten.

1961 Aufruf zur ersten Jahresaktion: "Flinke Hände, flinke Füße schaffen ein Werk für körperbehinderte Jugendliche". Im Verlauf dieser Aktion kommen mehr als 250.000 Mark zusammen. Die Jahresaktionen mit wechselnden Schwerpunkten sind bis heute wichtiger Bestandteil der Arbeit der DPSG. Der 23. Bundesthing beschließt die Einführung der Jungpfadfinderstufe (11 bis 13 Jahre alte Jungen), außerdem werden die "Georgsritter" in "Rover" umbenannt.

1971 Die Neufassung der Ordnung des Verbandes ermöglicht das Mädchen offiziell und Frauen nun Mitglieder der DPSG werden können. Das Pfadfindergesetz von 1930 wird ersetzt und weitergeführt durch die "Grundlinien unserer Lebensauffassung": Leben in Hoffnung, Leben in Freiheit, Leben in Wahrheit, Leben in tätiger Solidarität. Inhaltlich orientiert sich die DPSG weg vom Waldläufertum hin zu einer Gruppenpädagogik, in der Kooperation und Verantwortung durch Erfahrung und Erleben gelernt werden sollen. Sie schwenkt so auf einen Weg ein, der direkt auf die Vorstellungen Baden Powells zurückgeht.

1984 Leiterkongress in Westernohe mit 4000 Teilnehmern

1988 Zum Kongress "Exodus" kommen in Westernohe 6000 Leiterinnen und Leiter zusammen.v

1990 Unter dem Motto "Wir haben Platz im Boot" ruft die DPSG zur jährlichen Solidaritätsaktion auf und wendet sich damit gegen die Verschärfung der Asyldebatte.

1992 Im "Wilden Sommer" sind 2000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder in der Bundesrepublik unterwegs zu neuen Herausforderungen im eigenen Land. Zur Jahreswende treffen sie sich in einer stillgelegten Werkshalle der Glashütte in Ilmenau (Thüringen).

1995 Die 57. Bundesversammlung beschließt die Einführung der Kindermitbestimmung auf Stammesebene. 20 rwandische Pfadfinderinnen und Pfadfinder werden aus dem Bürgerkriegsland ausgeflogen und von der DPSG aufgenommen. Im Verlauf der "Solidaritätsaktion Rwanda" kommen 700.000 Mark zugunsten des Kriegsgeschüttelten Landes zusammen.

1996 Die DPSG startet die Kampagne "Tu es jetzt!" zum politischen Handeln, an der sich zahlreiche Gruppen vor Ort beteiligen. Gesellschaftspolitisches Engagement in sechs Themenbereichen ist Ziel der Langzeitaktion.

1997 fand das erste offizielle Jamboree-on-the-Internet (JOTI) statt.

4000 Leiterinnen und Leiter treffen sich in einem ehemaligen Eisenhüttenwerk in Duisburg zur Großveranstaltung "Power im Park". Das Treffen bildet den Höhepunkt der 1996 gestarteten Kampagne.

1998 5600 Pfadfinderinnen und Pfadfinder aller Altersstufen treffen sich Pfingsten in Westernohe zum Auftakt der Jahresaktion "Flinke Hände, flinke Füße gestalten Zukunft für Westernohe".

1999 In der Aktion WölflingsWirbel setzen sich Kinder aus ganz Deutschland für mehr Kinderfreundlichkeit in ihrem Umfeld ein. Die 8- bis 10-Jährigen vergeben Noten für Spielplätze, malen den tristen Schulhof an, reparieren marode Fahrradständer am Bahnhof und vieles mehr. Besuche bei Kommunalpolitikern und die Zusammenarbeit mit der Lokalpresse führen in vielen Orten zu Verbesserungen. Die Aktion gipfelt in einem Besuch bei Bundesfamilienministerin Christine Bergmann.

Rund 1000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder eröffnen in Koblenz die Jahresaktion "Movida Bolivia". Sie kommt in diesem Jahr unserem bolivianischen Pfadfinderverband zugute, der eine Schulung für Lehrer ins Leben rufen will. Gruppen in der ganzen Bundesrepublik sammeln anschließend Geld, um ihre Partner in Südamerika zu unterstützen.

2000 3000 Roverinnen und Rover feiern Pfingsten in Westernohe den Auftakt zu IZURO, dem Internationalen Zukunftsjahr der Roverstufe.
Den Höhepunkt der dreitägigen Veranstaltung bildet die "Aussendung" zu internationalen Begegnungen in aller Welt, zu denen die Rover im Sommer starten.

Mit der Jahresaktion "Augen auf! Stoppt Diskriminieruung!" setzt sich die DPSG gegen die Diskriminierung von Minderheiten ein. Im Rahmen der Jahresaktion startet im Spätsommer die Kampagne "Stoppt Rechts - Pfadfinderinnen und Pfadfinder gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt", die mit einem aussagekräftigen Logo und überall auftauchenden Aufklebern auf das Engagement der Pfadfinder aufmerksam macht.

Die erste Vollversammlung der Pfadfinderstufe findet im September in der Frankfurter Paulskirche statt. Hier beschließen Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus ganz Deutschland die Großveranstaltung "fettgrün", die im Sommer 2001 über die Bühne gehen soll. Die Vollversammlung endet mit der "Frankfurter Erklärung".